PLATON „DAS GASTMAHL“

Was Sie schon immer über EROS wissen wollten, erfahren sie bei einem gemeinsamen Umtrunk von sechs prominenten Männern der Antike: dem Militärexperten PHAIDROS, dem Arzt ERYXIMACHOS, dem Komödiendichter ARISTOPHANES, dem Tragödiendichter AGATHON, dem Philosophen SOKRATES, dem jungen volltrunkenen Politstar ALKIBIADES und der wunderbaren DIOTIMA.

Es sind tabulose Gedanken zu allen Farben der Leidenschaft, Gedanken zu der Wirkung des Eros in der Natur und in der Schöpfung. 

Einige dieser Texte könnten heute, sogar in Europa, auf dem Index landen.

DAS GASTMAHL, einer der wichtigsten Texte der antiken Philosophie, ein brillantes Beispiel mündlicher Überlieferung, von Platon für die Nachwelt festgehalten, kann man im Innenhof oder wetterbedingt in einem Innenraum der ANTIKENSAMMLUNGEN als Theaterstück erleben.                                    

Es spielt Konstantin Moreth

Regie & Fassung Ioan C. Toma

Kostüm & Assistenz Bonnie Tillemann

 

Termine 2. bis 18.Mai, Do. bis Mo. 19h

Dauer ca. 70 Min. Zuschauer max. 60 

Reservierung tel. 01795194333 täglich ab 11h

Online-Ticketing unter http://www.morethcompany.de

Preis: € 28,-/erm.22,- Gastmahlgetränk inbegriffen 

Einlass ab 18:30, keine Kartenzahlung möglich

Staatliche Antikensammlungen Königsplatz 1, 80333 München 

Besprechung von Dr. Renata Kaiser zur Produktion:

 

Ioan C. Toma inszeniert Platons GASTMAHL in den Antikensammlungen

 

im Rückblick auf seine, mir als Mitglied der Theater-Jury bekannten Münchner Inszenierungen, werden mir wieder die eigenständigen, strukturellen Voraussetzungen seiner Theaterarbeit deutlich: der transportable, offene Würfel als konstruktivistisches Raumkonzept, die minimalisti-

sche Abstraktion und Reduktion der optischen Mittel, die Kraft der Sprache und des schauspielerischen Ausdrucks und insbesondere die konzeptuelle Durchdringung des literarischen Stoffes. So gesehen erscheint seine Auseinandersetzung mit den Grundlagen der europäischen Philosophie wie eine innere Notwendigkeit, um dann die immer noch gültigen Fragen und Antworten eines Sokrates zum Bühnenereignis werden zu lassen.

Das erste Sokrates-Projekt in München fand bereits 2000 in der Reithalle statt, eine weitere Version 2021 im Hof der Glyptothek.

Die Zustimmung der Direktion ermöglichte es in diesem Mai DAS GASTMAHL von Platon in den

Antikensammlungen zu kontextualisieren. Die Inszenierung in einen kleinen, ummauerten, begrünten Hof und in einen Galerie-Raum mit Vitrinen mit attischen Vasen und Skulpturen zu situieren, schafft eine sinnstiftende und zeitliche Kongruenz zwischen den antiken Sammlungsgegenständen und dem philosophischen Disput.

 

Der Gegenwart der Antike - in den einzigartigen Kunstgegenständen, in ihrer sinnlichen, optischen Kraft sichtbar, spürbar - wird durch diese Inszenierung ein adäquater philosophischer Horizont eröffnet. Sprache und Schauspiel schaffen eine Verlebendigung der musealen Sphäre.

 

Konstantin Moreth gelingt es mit einfachen Mitteln, schauspielerischer Präzision und lustvoller Spielfreude die verschiedenen bedeutenden Athener, die sich bei dem GASTMAHL versammelt haben sollen, mit ihren höchst unterschiedlichen Beiträgen zum Thema Eros zu charakterisieren und mit dem, für viele überraschenden Humor der philosophischen Gedanken, die Zuschauer mitzureissen.

 

Das Publikum wird kommunikativ Teil eines Rituals, zu dem neben intelligibler Aufmerksamkeit und angeregter Phantasie - auch im Sinne des griechischen Symposions (= Trinkgelage) von „in vino veritas“ - der Genuss von Wein gehört, den der Regisseur seinen Gästen stiftet.

Der Mehrwert, diesem Disput unterschiedlicher Meinungen beizuwohnen - nicht nur im Hinblick darauf, daß man über Eros und Sex mehr erfährt, als der aktuelle Diskurs bietet - ist in der herausfordernden Akzeptanz anderer Interpretationen zu diesem Thema - mit einer demokratischen Übung zu vergleichen.

 

Überdies bietet der Abend eine „befreiende“ Distanz zu den aktuell virulenten Problemen und erzeugt im Gegensatz zu den vorherrschenden Dystopien die Zuversicht in die Gültigkeit zeitloser Werte.

 

Auch andere Museen versuchen bewußt mit den Mitteln der Performance, durch Partizipation und immersive Teilhabe den Zugang zu den Sammlungen, die Attraktivität ihrer Häuser zu steigern.

 

Platons GASTMAHL könnte in diesem Sinne durchaus zum erweiterten Angebot für das Publikum gehören.

 

Herzliche Gratulation zu den erfolgreichen Vorstellungen: begeisterter Applaus! Letztlich war es immer die abendliche Schließung des Hauses, welche die Fortsetzung des angeregten „Disputierens“ durch das Publikum beenden musste.

 

Dr. Renata Kaiser