TAGEBUCH EINES WAHNSINNIGEN

 Theaterstück von Ioan C. Toma

 nach der Novelle von Nikolaj Gogol

 

Fassung und Regie: Ioan C. Toma

Kostüm: Bonnie Tillemann

 

Aksenti Iwanowitsch Propristschin - Konstantin Moreth

Am Seil: Ioan C. Toma

 

 

 

Mit dieser Produktion widmen wir uns einem weiteren Werk der Weltliteratur:

  Popristschin ist ein kleiner Beamter im Staatsdienst. Jeden Tag müht er sich in seinem grauen Alltag ab, ist unglücklich in seinem Beruf und auch noch hoffnungslos in die Tochter des Direktors verliebt. Er fühlt sich zu Höherem berufen und durch die Umstände seiner jämmerlichen Existenz gekränkt. Es beginnt eine schleichende Absage an die Realität. In letzter Konsequenz bleibt ihm nur die totale Einsamkeit seiner wahnsinnigen Traumwelt, in der er mit Hunden sprechen und zum König von Spanien gekrönt werden kann.

 

Nikolai Gogol hat in diesem Juwel der Weltliteratur eine Figur geschaffen, die an der entfremdeten Existenz des Menschen in der modernen Gesellschaft zugrunde geht und damit direkt in unsere Gegenwart weist. Obwohl aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, enthält die Gogol’sche Welt bereits die kafkaesken, surrealen Szenarien der Moderne.

In der Inszenierung und spektakulären Raumgestaltung von Ioan C. Toma verkörpert Konstantin Moreth Gogols skurrilen Helden

 - ein schwindelerregender Sturzflug durch die endlosen Tiefen des menschlichen Geistes.

 

Spieldauer: ca. 60 min, keine Pause

 

Premiere: 11.09.2019 im Team Theater München

 

Tourneezeiträume 20/21: flexibel, nach Absprache

 

Preis:  € 1700,--

(keine GEMA, 7 % Tantiemen)

+ Hotel für zwei Personen

 

PRESSE:

"Konstantin Moreth spielt den Monolog mit Feinsinn…

 (Moreth) gibt keinen tollwütigen Irren, sondern zeichnet das Porträt eines kleinen Mannes und Gernegroß, der die Hierarchien verinnerlicht hat, sich in seiner ohnmächtigen Wut aus der Realität verabschiedet und dabei die grausame Absurdität der gesellschaftlichen Verhältnisse bloßlegt. Mit blitzenden Augen empört er sich über die da oben und seine jämmerliche Stellung, er sackt verzweifelt in sich zusammen, richtet sich trotzig auf und enthüllt triumphierend seine gagaesken Erkenntnisse, erklärt uns, warum auf dem Mond nur Nasen leben. Im Teamtheater steckt Popristschin in einem Käfig aus Stangen, durch den er ein langes Seil zieht, das er kreuz und quer spannt, wechselweise um sein Gesicht, seinen Hals und seinen Körper schlingt, hier und da festzurrt. Er spinnt sich ein in ein Geflecht aus Stricken, aus dem es kein Entrinnen gibt."

Süddeutsche Zeitung

 

"So raffiniert wie die Konstruktion des Käfigs aus Seilen legt Moreth seinen Propischtschin an: Nicht unsympathisch, offen dem Publikum zugewandt, ein bisschen einfältig vielleicht. Es gibt in diesen 60 Minuten keine spektakuläre Wahnsinnsarie zu bewundern, sondern den fein justierten Grusel eines Wirklichkeitsverlusts.

AZ München

 

"Starkes Solo... Popristschins Bemühen nach Erfolg, Anerkennung, Aufstieg – und damit sein Leben – hängt an einem Seil. Das ist die zentrale Idee dieser eine gute Stunde dauernden (und etwas abrupt endenden) Inszenierung von Regisseur Ioan C. Toma. Das Seil als einziges Requisit – es ist Schnurrbart, Tuch, Brief, Auge, ist Maske und Galgenstrick – wird nach und nach durch den Raum gezogen (der Regisseur selbst hält es, an der Seite stehend, auf Spannung), und so entstehen Wand, Fenster, Gitter. Schicksalssymbolik, das Seil wird zum Strick der Hybris, die Flucht in den Wahn führt ins selbst gebaute Gefängnis: immer noch ein starkes Bild. ..

Der Schauspieler Konstantin Moreth, rote Backen, offenes freundliches Gesicht, wirkt in diesem Theater-Solo wie ein Bauer im einzigen, einigermaßen feschen Anzug. Sensibel lotet er jede Gefühlsecke dieses Durchschnittstypen mit den großen Flausen aus … die intensive Begegnung mit der Qual des Menschseins: sein Verdienst. Großer Beifall."

IN München

 

"..Ein Stahlrahmen füllte die Mitte der Bühne, daran gespannt ein Seil und in der Mitte ein Haken, an dem ein Sakko hing. Konstantin Moreth, als der Titularrat, betrat den Raum, griff nach dem Jacket und erzählte sogleich von seiner Rolle im Amt…. Konstantin Moreth gelang auf unauffällige Weise eine ebenso unauffällige Figur, die eine besondere war und doch jeder sein konnte. Mit außergewöhnlicher Präsenz führte er vor, was wohl allgemein bekannt erfahren wird, und hier doch eine Theaterbühne füllte. Sparsame, doch kraftvolle Gesten taten die Welt der Gedanken und des normalen Alltags auf. Er spann die Worte wie das Netz, er verstrickte sich darin, erst locker träumend und trotzdem Spannung aufbauend. Immer konsequenter stringenter steigerte er sich bis zur Fixierung auf eine Rolle, die eine, gewünschte Stellung in einer hierarchischen Gesellschaft…. Ioan C. Toma, schrieb diese moderne Bühnenfassung und stand auf der Spielfläche im Schatten abseits, hielt das Seil der Gedanken in seinen Händen wie den Faden der Geschichte. Als gälte es diesen Faden nicht zu verlieren, oder ihn gar dem Zufall allen möglichen Geschehens zu überlassen, hätte er auch den Schatten von Nicolaj Gogol darstellen können. So wie im Absurden sich benannter Sinn und das Gegenüber, der hoffnungsvolle Wahn erkennbar paaren, trägt der Faden einer Geschichte zur unmittelbaren Spannung bei, ohne den ein Geschehen niemals stattfinden kann. Wer möchte den Faden des eigenen Schicksals aus der Hand legen? Toma gelang eine kurzweilige Fassung, die den Kern niemals aus den Augen verlor…. 

Hochbrisanter Stoff, der überdeutlich machte, wie wenig und doch grundlegend viel sich in den letzten hundert Jahren verändert hat. Die Krankheitsdefinitionen wurden differenziert, auch der Umgang mit den Problemen und die sogenannten Heilungen nehmen zu. Doch abgesehen von der Bedienung unterschiedlichster Maschinen lernte der sogenannte normale Mensch kaum, denn immer noch spinnt er einsam seine Gedanken und spannt diese (wenn auch digital verändert) in den Raum. Allein dies zu erkennen, wofür die Inszenierung wundervoll unterhaltenden Beitrag leistete, könnte eine Türe in die gesuchte verherrlichte Freiheit einer selbstbestimmten Daseinsgestaltung öffnen. Folge deinen Träumen - gilt heute als normal, früher sperrte man dafür weg. Für den Protagonisten endete es im Dunkel, um für den Schauspieler Konstantin Moreth anschließend ins Licht an der Rampe zu führen und den wohlverdienten begeisterten Applaus entgegen zu nehmen."

theaterkritiken.com